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Tschüss Instagram: Warum ich auf Social Media verzichte

Meinen Instagram Account habe ich 2021 gestartet.  Durch die Corona-Pandemie hatte ich generell einfach mehr Zeit und mir fielen damals eigentlich keine Gründe ein, warum ich die Plattform nicht ausprobieren sollte. Im Gegenteil. Ich habe gesehen, dass sich dort jede Menge kreative Menschen tummeln, die dort ihre Skizzenbücher, Projekte und Experimente teilen. Ich ließ mich also auf das Experiment ein und hoffte, dass ich so in den Austausch kommen konnte. Ich wollte in erster Linie Erfahrungen teilen, andere inspirieren und Tipps und Übungen fürs Skizzenbuch vorstellen. Hört sich gut an? Das war es anfangs auch. Ich steckte sehr viel Sorgfalt in meine Fotografien und Texte und es machte mir Spaß, anderen Kreativen zu folgen und einen Einblick in ihre Arbeit zu bekommen. Warum also habe ich Ende 2025 meinen Instagram Account stillgelegt und möchte ihn demnächst endgültig löschen?

Der undurchsichtige Algorithmus und das Daten-Nirwana

Grafik "Algorithmus": mit Fineliner gezeichnet, runde und eckige Formen mit vernetzenden Pfeilen
Grafik "Algorithmus"

Ich habe schnell mitbekommen, dass nicht alle Inhalte gleich behandelt werden. Es gibt bestimmte Regeln, nach denen emotionale, viel kommentierte und geteilte Beiträge bevorzugt angezeigt werden. Regelmäßiges Posten und die Nutzung von Reels wirken sich scheinbar auch positiv auf die Sichtbarkeit aus.  Im Laufe der Zeit war ich mir nicht einmal mehr sicher, ob meine Beiträge auch wirklich im Feed der Menschen angezeigt wurde, die meinen Kanal abonniert hatten. Die Lebensdauer eines Instagram-Post beträgt im Schnitt 21 Stunden, daher vermute ich, dass meine Beiträge nach kurzer Zeit einfach brach in irgendeinem Daten-Nirwana lagen.

Die direkte Folge: Überlastung und Überforderung

Grafik "Algorithmus": mit Fineliner gezeichnet, Figur, die über dem Kopf ein Brett trägt, das mit Kisten beladen ist. Diese sind beschriftet mit "Vergleiche, Reizüberflutung, Follower, Likes, Erwartungsdruck"
Grafik "Überforderung"

Möchte man den eigenen Instagram-Kanal also nach diesen Regeln optimieren, bedeutet das in erster Linie ständiges Engagement. Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich die Anforderungen nicht bedienen kann und möchte. Videos zu drehen, nur um die Verweildauer der Betrachter zu erhöhen, machte mir keinen Spaß. Regelmäßiges Posten von Beiträgen 2-4 Mal pro Woche hätte ich niemals geschafft. Mein Ziel, Mehrwert zu schaffen, passt einfach nicht zur Plattform. Das habe ich aber erst relativ spät realisiert. Die typischen "Likes" in Form kleiner Herzchen unter den Beiträgen suggerierten mir zunächst eine "Scheinmotivation", jeder neuer Follower war für mich ein Zeichen, dass ich doch auf dem richtigen Weg bin.

Der endgültige Wendepunkt kam Mitte 2025. Die Kombination aus Reizüberflutung, Vergleichen mit anderen und selbst erzeugtem Erwartungsdruck war für mich ein bitterer Cocktail. Die Flut an mit Werbeanzeigen gespickten Inhalten im Feed überforderte mich und führte letztendlich dazu, dass ich mich mit den Gründen auseinandersetzen wollte, warum ich mich nach dem Öffnen und Nutzen der App regelmäßig schlechter fühlte als vorher.

Das Gehirn liebt Automatismen

Grafik "Automatismus": mit Fineliner gezeichnet, Zeigefinger, der auf Instagram-Zeichen drücken will, eine Uhr mit traurigem Gesichtsausdruck
Grafik "Automatismus"

Ich weiß nicht mehr, wie oft pro Tag ich Instagram auf dem Smartphone unkontrolliert geöffnet habe. Vielleicht ist das auch besser so. Für mich fühlte sich das irgendwann nicht mehr gesund an.  Mein Gehirn hatte sich zu sehr daran gewöhnt, schnell neue interessante Inhalte konsumieren zu können, sodass es kaum mehr in der Lage war, ein paar Minuten "im Leerlauf" zu funktionieren. Was, wenn gerade jetzt ein Kommentar zum neuen Beitrag beantwortet werden muss? 

Zusätzlich merkte ich, dass ich mit Inhalten konfrontiert wurde, die ich mir niemals freiwillig angesehen hätte. Darunter fielen auch Themen, die mich im Nachhinein noch länger beschäftigten oder deprimierten. Die Zeit, die ich damit verbrachte, hätte ich rückblickend gerne anders genutzt.

Negativität

Grafik "Beleidigung": mit Fineliner gezeichnet, zwei Figuren, die eine beschimpft die andere
Grafik "Beleidigung"

Hinzu kam der Umgangston in vielen Beiträgen und Kommentaren.  Für mich war es wirklich schwer zu ertragen, auf welche Art und Weise Menschen dort beleidigt werden. Natürlich kann man solche Kommentare als Nutzer  melden. Ich habe allerdings gelesen, dass auf ca. 90 % dieser Meldungen seitens der Betreiber nicht reagiert wird und es deshalb fraglich ist, ob ich meine Zeit auf diese Weise investieren sollte. Es scheint nämlich eine Strategie der Betreiber zu sein, hochemotionale Beiträge "am Laufen" zu halten, indem die Diskussion angeheizt und die Verweildauer der Betrachter erhöht werden. Was hätte ich also tun können? Vielleicht hätte ich konsequent die Beiträge, bei denen ich entsprechende Diskussionen vermute, meiden können? Vielleicht hätte ich einfach die Kommentare ignorieren können? 

Zweifelhafte Unternehmenspolitik

Grafik "Unternehmenspolitik": mit Fineliner gezeichnet, Meta-Zeichen mit kritisierten politischen Punkten
Grafik "Unternehmenspolitik"

Muss ich dazu noch etwas schreiben? Vermutlich nicht viel, denn Meta wird von den Medien und Verbraucherschützern regelmäßig in wesentlichen Punkten kritisiert.  Letztes Jahr war ich, wie die meisten Benutzer auch, direkt betroffen, denn es ging um das Thema Datenschutz und KI-Training. Hatte man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht aktiv widersprochen, durfte Meta die Nutzerdaten zum Training ihrer KI verwenden. Für Kreative aller Sparten ist es enorm wichtig, dass ihre Werke einzigartig bleiben und geschützt sind. Deshalb fand ich besonders diesen erschwerten Widerspruch sehr vertrauensschädigend.

Und nun?

Vermisse ich Instagram? Eindeutig nicht! Ich möchte hiermit Social Media dennoch nicht schlecht reden. Ich hatte durchaus auch sehr schöne Erfahrungen. Das betraf vor allem die tollen Menschen hinter den kreativen Instagram-Accounts, die ich kennen lernen durfte. Die Nachrichten und Kommentare, die wir untereinander ausgetauscht haben, waren teils lustig, verrückt, informativ, nachdenklich, inspirierend und immer wertschätzend. Dass das sonstige "System Instagram" bei mir nicht funktioniert hat, liegt an meinen Werten und dass ich beschlossen habe, diesen mehr Beachtung zu schenken.

Ich habe durchaus viele Nachrichten auf meinen letzten Beitrag bei Instagram bekommen, die Verständnis für meine Entscheidung zum Ausdruck brachten. Vielleicht, weil so manche Nutzerin selbst ein undefiniertes ungutes Gefühl bei Instagram hat? Ich weiß es nicht. Viele haben mir geschrieben, dass sie mich mutig finden. Oder dass sie den Schritt selbst nicht machen könnten, weil sie die Kontakte zu netten Bekanntschaften oder Freunden nicht aufgeben wollen. Für manche funktioniert Instagram gut, weil es ihre Spielwiese ist, auf der sie sich ausdrücken und ausprobieren können.

 

Mir persönlich hat ein Buch sehr geholfen, das unbestimmte Gefühl zu definieren, was mich bei Instagram regelmäßig überfallen hat und zu erkunden, warum es für mich keinen Sinn macht, dort in Zukunft einen Account zu betreiben. Ich kann es dir wärmstens ans Herz legen, wenn du dich für Marketing interessierst, das auf Alternativen zu Social Media fußt. Die Autorin heißt Alexandra Polunin und ihr Buch "No Social Media". 

 

Wie geht es weiter? Das weiß ich noch nicht so genau, denn aktuell bin ich dabei, mich neu zu sortieren. Mir ist erst jetzt so richtig bewusst geworden, wie viel Zeit und mentale Präsenz ich in Instagram investiert hatte. Eine Folge des Instagram-Ausstiegs ist übrigens, dass ich merke, wie meine Ideen wieder zu sprudeln anfangen. Und das ist am Ende doch das schönste Geschenk!